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Florestan

Florestan

geschrieben von Erika am 05.01.2010

Mein Pferd ist ein 11-jähriger Wallach von Florestan, den ich 4-jährig gekauft habe.

Er zeichnete sich aus durch sehr gute Rittigkeit, gute, sehr taktreine Grundgangarten und Gelehrsamkeit. - 5- bis 7-jährig lief mein Wallach erfolgreich auf Turnieren bis Dressur Klasse L. Nach einer mehrwöchigen Verletzungspause im Herbst 2007 kam das Pferd nicht wieder richtig in Schwung; der Rücken wollte nicht nachgeben, fühlte sich hart an, die Lösungsphasen dauerten immer länger und mit der Zeit wurden auch die Bewegungen im Trab klamm. Mein Pferd wurde sogar noch in einer M-Prüfung vorgestellt und am Ende der qualvollen Trainingseinheiten musste er sich bemühen, in "beeindruckenden" Spanntritten seine Runden durch die Halle zu ziehen. Dabei fühlte sich die Hinterhand wie abgeschnitten an.

Es begann eine Odyssee von Tierarzt zu Tierarzt, von Homöopath zu Osteopath, von wechselnden Hufschmieden zu verschiedenen Sattlern; in den vergangenen 2 ½ Jahren habe ich 5 verschiedene Sättel (darunter 2 Maßsättel) gekauft. Der einzig feststellbare Befund war eine Veränderung im Strahlbein (Röntgenklasse 3).

Nach probeweise 4 Wochen "Rentendasein" schickte ich mein Pferd zur Schiefentherapie, dann zu einem Belgier, der Hufrollenprobleme "wegreitet" und letztendlich habe ich ein ¾ Jahr die Akademische Reitweise probiert, um mein "armes" Pferd noch irgendwie nutzen zu können. Doch dabei ging uns beiden aller Spaß an der Arbeit verloren.

Dann hörte ich von Corinna Lehmann und las mit großem Interesse ihr Buch "Bausteine Dressurreiten - Trainingswege Schritt für Schritt".

Zum Glück lebt und arbeitet sie nicht weit von mir und im Juli 2009 fuhr ich zu meiner ersten Reitstunde zu ihr. Seitdem trainieren wir regelmäßig und die Entwicklungskurve geht nur noch nach oben. Manchmal kann ich es gar nicht fassen, aber mein Pferd, das nicht mehr vorwärtslaufen konnte oder wollte, lernte sich langsam wieder zu bewegen. Die eckigen, steifen Gangarten wurden wieder rund. Mein Pferd, das nicht mehr wusste, wer und wozu er da war, bekam wieder Spaß am Leben und auch an der Arbeit. Außerdem musste ich lernen, nicht mehr "ach du armes, krankes Tier, du kannst ja nicht" an mein Pferd heranzugehen. Heute üben wir wieder Lektionen!!

Was ist das "Geheimnis"? Corinna Lehmann lehrt keine "alternative Reitweise" - sie trainiert auch Turnierreiter! Es geschieht aber alles stressfrei! Das Pferd wird nicht irgendwohin gezogen und gedrückt sondern durch gezielte Übungen gedehnt und gebogen.

Und darin besteht ein Hauptunterschied zu all dem Unterricht, den ich vorher erteilt bekam: jede Trainingseinheit besteht aus intensiven aber immer wechselnden Übungen für Pferd und Reiter. Alles geschieht vom Kleinen zum Großen - mal wird über Stangen geritten, dann um Hütchen, mal ohne "Hilfsmittel". Pferd und Reiter erwartet ein immer neues Programm - das fördert Intelligenz (des Pferdes?) und Spaß.

Ein weiterer Unterschied zu herkömmlichem Unterricht besteht im Wechsel von Anspannung und Entspannung. Nach jeder Phase der vermehrten Versammlung kommt eine vorwärts-abwärts-Phase. Mein Pferd ist nicht geschoren, wird fast jeden Tag trainiert und das Schwitzen hält sich so entspannt in Grenzen. - Sitz-, Schenkel- und Zügelhilfen werden sehr genau eingeübt mit dem Ziel, weniger Schenkel und Zügel einzusetzen und die gewünschte Leichtigkeit zu erreichen. - Alle Lektionen sollen nicht irgendwie, sondern gymnastizierend ausgeführt werden. Letztendlich dient diese Art des Reitens der Gesunderhaltung des Pferdes; zum Beispiel hat mein Wallach im letzten halben Jahr mehr Muskulatur aufgebaut als in den Jahren seines Turnierlebens.

Ich hoffe, mein Pferd und ich werden noch viel von Corinna Lehmann lernen :-)